CHRISTIAN SCHMIT    
   
             
  MEIN DEUTSCHES HAUS –
SCHALL UND RAUCH
  Der Installationscharakter der Arbeiten von Schmit zeigt sich auf besondere Weise an seinem „Deutschen Haus“. Von weitem sieht es im altindustriellen Kontext aus wie ein verlassener Geräteschuppen. Oder doch eher wie ein typisch deutsches Garten­häuschen? Denn es besitzt offenbar eine Feuerstelle: Darauf verweist ein überdimensionaler Schornstein. Dass es ein bedeutungsvoller Ort ist oder war, wird durch ein großes Schild vor dem Eingang verdeutlicht. „Schall und Rauch“ steht dort in Fraktur geschrieben. Das ist zunächst ganz wörtlich zu nehmen, denn in diesem Haus haben sich Funktionen erhalten, die aus der Ferne nicht zu vermuten sind. Da raucht es stoßweise aus dem Schornstein und quietschend öffnen sich die Eingangstüren und ein Kanonenofen fährt langsam heraus. Von der offenen Rückseite aus ist zu sehen, dass Haus und Ofen eine Symbiose eingegangen sind: Das Haus als Schutzhülle des Ofens und der Ofen als wichtigster Gegenstand im Haus. Nichts weiter, reduziert auf den Kern: Feuer, Wärme, Gemütlichkeit sind in einem Schutzraum erhalten, der sich von Zeit zu Zeit öffnet, damit etwas davon in die Welt hinausgetragen wird. Doch bleibt alles im übertragenen Sinne „Schall und Rauch“ – Illusionen, die uns vorgegaukelt werden, die wir uns aber auch selbst vorspielen: Eingefangene und immer wieder nach Außen drängende Vorstellungen von einer heilen Welt. Die Aufrechterhaltung der Illusion lässt uns selbst gar keinen Platz mehr, das Gehäuse ist besetzt. Unter größeren Schwierigkeiten könnte man sich jedoch hineinzwängen, der Raum der Illusionen würde zum Überlebensraum ... FS

2010

Maße LBH 2800 x 3500 x 4500 mm



     
               
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